Carsten Diekmann ist Geschäftsführer von George Utz UK

Daher wähle ich meine Worte mit Bedacht und würde stattdessen lieber von Föderalisierung als ein weiterer Begriff für die Harmonisierung oder das Zusammenwachsen von gewerblichen Lieferkettenstandards sprechen – also ein einheitlicher Ansatz. Diese Föderalisierung beschreibt die Optimierung dieser Standards auf der ganzen Welt, nicht nur in Europa, um jeglichen Missverständnissen vorzubeugen und keine Kritik aus den europhilen oder euroskeptischen Lagern auf mich zu ziehen.

Meine Worte mit Bedacht zu wählen bedeutet auch, Worte wie „Zerfall“ auf die Goldwaage zu legen, denn viele Lieferketten haben unter einem so emotionsgeladenen Begriff zu leiden. Ich spreche hier natürlich von der Verwendung von Materialien wie Pappe, denen die Festigkeit und Robustheit zur Stützung der Nachhaltigkeit und Integrität von leistungsstarken Automobil-Lieferketten fehlt und die sicherlich nicht mehr als einmal gestapelt oder wiederverwendet werden können, weil sie sonst womöglich zerfallen. Dennoch kommen diese Materialien in der Branche weiterhin zur Verwendung und Wiederverwendung, wahrscheinlich weil sie kurzfristig die günstigere Lösung darstellen.

Dazu muss ich jedoch zu bedenken geben, dass die Automobil-Lieferkette durch die allgemeine Einführung standardisierterer, robusterer Behälter und Paletten mittel- und langfristig Millionen einsparen könnte. Solche, die in arbeitsintensiven Umgebungen ebenso zuhause sind wie in vollautomatisierten Hochregallagern oder Verteilerzentren, die Werke und Produktionslinien auf allen Kontinenten beliefern, entweder „just-in-time“ oder „supplied-in-sequence“.

Speziell angepasste und recycelbare Mehrweg-Transportverpackungen (Returnable Transit Packaging – RTPs) würden das Preis-Leistungsverhältnis erhöhen, da damit grössere Warenmengen schneller, intelligenter und sicherer transportiert werden können. Zusätzlich würden RTPs auch die Transportkosten und CO2-Bilanz der Branche verringern. Dadurch dass man die Produkte nicht mehr zwischen Paletten unterschiedlicher Grösse und verschiedenen Verpackungsarten in kurzlebigere Behältnisse wie Pappkartons umpacken muss, macht man es gleich von vornherein richtig. Auch würden mit intelligenten und nachhaltigen Kunststoffverpackungen die Logistik-Kenngrößen für vollständige und rechtzeitige Lieferung (VRL) und messbare Kundenzufriedenheit verbessert.

Arbeitsschutz und Sicherheit sind mittlerweile ein fester Teil des Supply-Chain-Denkens. So wurde beispielsweise die neue Utz Industriepalette UPAL-I mit der Abmessung 1200 x 1000 mm, die wir 2016 in die Automobil-Lieferkette einführen, von Anfang an unter dem Gesichtspunkt der Langlebigkeit konzipiert. Diese Paletten können sogar mit Stahl verstärkt werden, um gängigen Unfällen vorzubeugen und potenzielle Verletzungen sowie Beschädigungen von teuren Anlagenteilen zu vermeiden, die eine Produktionslinie bei Ausfall zum Stillstand bringen können.

Die Einsparungen, die durch längerfristige Investitionen in die Verstärkung von Lieferketten-Materialumschlagsgeräten erzielt werden, machen die Kosten ihrer Einführung bei Weitem wett, ganz zu schweigen davon, dass viele der Kunststoffbehälter und -paletten aus hochwertigen Sekundärrohstoffen hergestellt werden können, sodass der Herstellungsprozess umweltfreundlicher ist und die CO2-Emissionen um nahezu 50 % reduziert werden.

Dies an sich ist eine entscheidende Botschaft für viele Automobilkonzerne und Tier-1- und 2-Zulieferer, die unter ständigem Druck stehen, ihre Umweltbilanz gegenüber Kunden und Aktionären deutlich zu verbessern. Dabei geht es nicht allein nur darum, umweltfreundlichere Fahrzeugtechnologien zu produzieren, sondern auch um den gesamten Lebenszyklus dieser Plattform und die hinter ihrer Herstellung stehende Lieferkette.
In diesem Sinne ist es keineswegs mehr verwegen anzumerken, dass Föderalisierung gleichbedeutend mit der Optimierung der Lieferkette ist. Tatsächlich ist es wirtschaftlich nur klug, Zeit zu sparen und die Effizienz zu erhöhen, und dabei gleichzeitig auch bei Arbeitsschutz und Sicherheit zu punkten, während die Umweltbelastung dadurch, dass man es gleich von vornherein richtig macht, reduziert wird.

Quelle: Automotive Logistics

 
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