Seit rund 50 Jahren liefert Utz nicht nur technisch ausgereifte Produkte, sondern legt auch Wert auf ein ansprechendes Design. Dies zeigt die Berufung des Kunststoff-Behälters RAKO zum Titelseiten-Motiv der neusten Ausgabe des Magazins "form". Hier der Auszug aus dem Artikel von Klaus Leuschel:

In der epochalen Designausstellung „Italy – The New Domestic Landspace“ (MoMA, New York, 1972) propagierte die italienische Gruppe Strum (sprich Instrumentelle Architektur) jenes nomadisierende Wohnen, das im Zeitalter globalisierter Märkte Realität austauschbarer Arbeitskräfte ist. Im Gegensatz dazu entwickelte sich das italienische Design spätestens nach 1982 weg von der Radikalität jenes Neuen Wohnens, welches vom Radical Design bis zu Memphis die imagebildende Triebfeder des Made in Italy war, hin zur Stilisierung jenes Stile Milanese, der sich formal am Repertoire jener bourgeoisen Immobilien orientierte, in denen die Einrichtungsgegenstände zum Einsatz kamen.

Wer den radikalen Strum-Ansatz heute umsetzen will, ohne seine Eltern zu kopieren, könnte auf die RAKO-Behälter der Firma Utz aus dem aargauischen Bremgarten zurückgreifen. Die modularen Kunststoffboxen (RAKO ein Akronym aus den Wörtern "Rahmen" und "Konstruktion") wurden 1965/66 erfunden und markieren in den Bereichen Lager- und Transportlogistik längst einen weitverbreiteten Industriestandard. "Und wer hat’s erfunden?", fragte da gewöhnlich ein bekannter Zwerg in der Werbekampagne eines Schweizer Kräuterbonbon-Herstellers.

Dank RAKO-Box lassen sich Kartons einsparen. Eine Erfahrung, die beide Grossverteiler (so werden zwischen Genf und St. Gallen die zwei Lebensmittelgiganten Coop und Migros bezeichnet) bestätigen können. Diese hatten 1990 angefangen, konsequent auf Mehrweggebinde umzustellen: nicht nur wegen der um den Faktor 3 gestiegenen Rohstoffkosten, sondern mehr noch wegen der seither entfallenden Entsorgungsaufwände und –kosten für Einwegverpackungen. Ein Investment, das sich längst bezahlt gemacht hat. Im wahrsten Sinn des Wortes.

Einmal mehr will es die Ironie des Alltags, dass nicht etwa das Original jene Verehrung geniesst, die es verdient. Allenfalls, wenn man das Diktum des Kritikers Alfred Polgar zum Massstab nähme, zeugt ihm zufolge doch die Anzahl der Kopien von jener aufrichtigen Verehrung, die das Original geniesst. Dabei sind es nicht mehr oder minder gut kopierte Boxen made in Taiwan oder China, die dies bezeugen, sondern durchaus schon mal solche made in Switzerland. Selbstverständlich aber werden dabei keinerlei Patente verletzt.


Text und Bild: Magazin "form", Ausgabe 253